Streichtrio


Wahrscheinlich so etwas wie meine Symphonie Fantastique.

Mein Streichtrio ist entstanden in einer Zeit von größerer Orientierungslosigkeit als sonst. Die COVID-19 Pandemie ist doch nicht so schnell verschwunden wie viele es am Anfang behauptet haben, sogar ganz im Gegenteil. Im November als ich angefangen habe an meinem Streichtrio für das Trio Recherche zu arbeiten schien die Pandemie an ihrem höchsten Punkt in Deutschland und in Hannover wo ich mich aufgehalten habe.

Auch in anderer Hinsicht gab es Sachen die mich auf unterschiedliche Weise beschäftigt haben und im Endeffekt auch nicht wirklich zu einer Besserung der Lage beigetragen haben.

Der Kompositionsprozess war bei diesem Stück sehr intensiv. Als ich mit Gordon Williamson und Ming Tsao über meine Idee für das Streichtrio gesprochen habe, machte ich damals schon deutlich, dass dies wohl ein wichtiges Stück für mich werden wird, gerade auch für meine Entwicklung als Komponist. Es ist auch ein ungewöhnliches Stück von Anfang an gewesen, da es wirklich auf sehr schmerzhafte Weise persönlich ist und auf der anderen Seite, weil das primäre Material dieses Trios, 5 verschiedene von mir erzeugte Tonhöhenskalen sind. Dies ist doch für mich ungewöhnlich, da die Tonhöhen in meiner kompositorischen Arbeit, doch eigentlich immer recht am Ende des Prozesses kamen. Hier jedoch nicht, hier standen sie ganz zu Beginn der Arbeit.

Material

Eine wichtiger Einfluss in diesem Stück, waren die Erfahrungen die ich in den letzten 2 Jahren mit meiner Arbeit mit Multimedia Werken gemacht habe. Vor allem mit den damals noch nicht fertiggestellten "Untitled Pieces No. I und II", wie auch meinem Werk "gleichschaltung" als auch meiner Installation "Panopticon".

Der Prozess in einer 3D Software wie Blender hatte in diesem Stück ein große Rolle gespielt, mit besonderen Augenmerk darauf, wie ich das Material generiert habe und welche Prozesse und Kräfte ich dem Material ausgesetzt habe.

In vielerlei Hinsicht, ist dieses Werk auch ein kurze Rückkehr zu den Wurzeln wenn man so möchte. Mit dem letzten Stück während meines Studiums in Hannover kehre ich zurück in Felder die ich lange verlassen habe, seit dem ersten Stück meines Studiums. Der harmonisch monochrome Ansatz eines Zeichen.Stück der Wandlungen findet sich hier in diesem Stück wieder. Jede der Zustände sind nur ein harmonisches Feld. Die Gestik ist ähnlich wie in Zeichen.Stück der Wandlungen nur viel ausgereifter und gezeichnet von den Narben der letzten 6 Jahre.

Das Genre

Das Streichtrio unterscheidet sich drastisch vom Charakter her zu dem Streichquartett. Wo das Streichquartett doch eher aus einer humanistischen Klassischen Tradition kommt, so hat das Streichtrio doch eine andere Tradition die man eher in den Triosonaten aus der Barockzeit wiederfindet. Rein praktisch gibt das Streichquartett auch dem Komponisten die Möglichkeit für "pseudo Orchestration" Bearbeitung, da man zwei Geigen zur Verfügung hat.

In der Wahrnehmung ist, daher auch das Streichtrio oft aus der Sichtweise eines Mangels betrachtet, aufgrund des Vergleiches mit dem Quartett. Das Ungleichgewicht welches sich vor allem auch ergibt durch die 3er Besetzung ist, daher ein zentraler Aspekt dieser Besetzung.

Ganz konkret in meinem Stück wird immer ein Instrument (meistens die Bratsche) von den zwei Kräfteverhältnissen (Violine und Cello) zerrissen. Eine quasi Vereinheitlichung soll nicht entstehen. Die Polyphonen Satzteile wie auch die Solos spielen eine besondere Rolle, da jedes Instrument seine eigene Individualität besitzt und dies zu etlichen Konflikten führen wird in dem dreier Beziehungsgeflecht dieser Instrumente.

Der Prozess

Zeugnis einer turbulenten Zeit versuchte ich meine vollste Konzentration auf die Komposition dieses Werkes zu lenken und in der Komposition (vor allem in den Entscheidungen) mögliche Lösungen zu finden, die mich vielleicht weiterbringen können. Es in meinen noch jungen Werk sehr selten vor, dass ich so konzentriert mich einem Werk gewidmet habe und konstant täglich mindestens 7 Stunden an diesem gearbeitet habe und alles andere quasi liegen und stehen gelassen habe. Das Werk hat mich so sehr ausgefüllt, dass sich die Fertigstellung dieses Werke weniger als eine Geburt, als als eine Trennung angefühlt hat, welche nicht wirklich von Erleichterung geprägt war ganz im Gegenteil: Nach diesem Stücke fühlte ich mich leer und plötzlich wieder mit Problemen konfrontiert die ich dachte gelöst zu haben sich aber in der Zwischenzeit noch verschlimmert haben.